• Aktualiesierung: 13-07-2018

Die erste Juden kamen auf das Gebiet von Preußen, d.h. des Ordensstaates, schon im 13. Jahrhundert. Ihre Anwesenheit war aber mit vielen scharfen Bedingungen verbunden. Die Lage änderte sich auf wesentliche Weise erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, zuerst dank der Stadtordnung vom 1808, die ermöglichte, die Juden mit dem Stadtrecht zu umfassen, und damit mit dem Erlass des preußischen Königs Wilhelm III. vom 1812, der den Juden die Ansiedlung und Ausführung der Gewerbtätigkeit (mit geringen Ausnahmen) erlaubte. 1847 ließ Friedrich Wilhelm IV. ein Gesetz ergehen, das den Juden beinahe identische Rechte einräumte, als es bei anderen Untertannen der Fall war (mit Ausnahme des Rechtes, manche hohe Stellungen im Apparat der Staatsverwaltung, des Gerichtswesens oder der Polizei zu bekleiden).

In Vereinfachung: die in West- und Ostpreußen wohnende jüdische Gesellschaft war im 19. Jahrhundert in der überwiegender Mehrheit schon stark assimiliert und emanzipiert. Nicht ohne Bedeutung war auch die verhältnismäßig gute Lage von mindestens einem Teil der jüdischen Geschäftsleute, die - mit Rücksicht  auf den Charakter der west- und ostpreußischen Wirtschaft - sich vorwiegend mit Handel und Beförderung hauptsächlich von Getreide, Holz und Holzerzeugnissen, sowie Pferde befassten. Die Mehrheit der Kaufhäusern, die in größeren und kleineren Ortschaften von Ost- und Westpreußen schon in der Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden, wurde durch jüdische Kaufleute gegründet. Mit Rücksicht auf die nahegelegene Universität in Königsberg, an deren medizinischer Fakultät es keine Begrenzungen für Studenten jüdischer Abstammung gab, siedelten sich auf den beschriebenen Gebieten relativ viele jüdische Ärzte an.

Die Geschichte der Juden in West- und Ostpreußen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist erstens durch den Zustrom  der sog. Ostjuden in diese Provinzen, den Großen Krieg (Ersten Weltkrieg), und dann (parallel..?) durch die ansteigende Antisemitismuswelle, Verfolgungen und endlich Exterminantion schon im Dritten Reich geprägt.

In meinen Ermittlungen über ausgewählte Probleme aus der Geschichte der Juden in West- und Ostpreußen im 19. und 20. Jahrhunderten konzentriere ich mich auf das deutsche Kulturgebiet, also das Deutsche Kaiserreich (bis 1918), die Weimarer Republik (bis 1933) und Freie Stadt Danzig (bis 1939), danach das Deutsche (Dritte) Reich (bis 1945).

Ausgewählte erforschte Problematik:

  • Verfolgung der jüdischen Bevölkerung im Regierungsbezirk Westpreußen in Ostpreußen (1933-1939)
  • Verfolgung und Extermination der jüdischen Bevölkeung im Regierunsbezirk Marienwerder im Reichsgau Danzig-Westpreußen (1939-1945)
  • Geschichte der jüdischen Gesellschaft in ausgewählten Städte von Ostpreußen
  • jüdische Kaufhäuser in West- und Ostpreußen (insbesondere in Königsberg, Elbing und Danzig)
  • jüdische Sportvereine in West- und Ostpreußen
  • jüdische Stundenten und Lehrbeauftragte an der Technischen Hochschule zu Danzig